Ist ein Waldkindergarten die bessere Wahl?

Wenn man genügend spielt, solange man klein ist, trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann.

Astrid Lindgren 
Unser Sohn Emil besucht seit 2 Jahren einen Waldkindergarten. Die beste Entscheidung, die wir für ihn treffen konnten. Ich bin selber Erzieherin und habe lange in „normalen“ Kindergärten gearbeitet. Ich war oft am Abend kaputt, die Lautstärke machte mir jeden Tag zu schaffen, viele Kinder auf engen Raum, kleine Außengelände mitten in der Stadt, um nur ein paar Dinge zu nennen, die ich für mein Kind auf keinen Fall wollte. Schnell war mir klar, das Konzept eines Waldkindergartens ist perfekt für uns, frische Luft und Bewegung den ganzen Tag, die Ruhe des Waldes, keine zu kleinen Räume für viel zu viele Kinder, ach ich könnte noch so viel mehr Vorteile aufschreiben. Meine Vorstellung, wie es im Wald ist, hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als bestätigt.

Wir mussten schon so oft Fragen beantworten über dieses Konzept, Waldkindergarten. Was heißt das eigentlich? Die häufigste Frage ist wohl, sind die Kinder bei jedem Wetter draußen? JA. Da war ich ehrlich gesagt auch am Anfang ziemlich skeptisch. Aber wir haben schon einen sehr heißen Sommer sowie einen sehr kalten Winter mitgemacht und ich muss sagen, jedes Wetter ist für die Kinder so spannend und inspirierend. Bei -8 Grad kann man super auf gefrorenen Pfützen schlittern, im Sommer ist es toll im schattigen Wald und am See und bei Regen, tja, was soll ich sagen, in Pfützen springt wohl jeder gerne mal und dann macht das Matschen erst richtig Spaß.

Natürlich haben die Kinder und Erzieher auch die Möglichkeit in einer warmen Steinhütte unterzukommen, dort gibt es dann ganz „normale” Spiele, Bauklötze und einen Ofen. Aber ich muss sagen, beim Abholen treffe ich Emil doch meistens draußen an, bei Wind und Wetter. 

Zu den verschiedenen Jahreszeiten und den dazugehörigen Witterungen, gibt es tolle Projekte. Emil weiß inzwischen so viel über die Natur, den Wald und auch über die Tiere, die dort leben. Gerade jetzt im Frühling gibt es jeden Tag so viel zu entdecken. Die Kinder haben zum Beispiel mit der Erziehern Nistkästen gebaut. Emil platzte beinahe vor Stolz, als er erzählte, dass wirklich ein Vogel eingezogen ist. Es gibt einen Gärtnertag und Kleingruppen zu den vier Elementen. Im Winter wird auf der Wiese und den Hügeln gerodelt. Schlitten sind immer willkommen 🙂 Was für ein Spaß! Der Herbst bietet so viele Schätze, Emils Taschen sind voll davon. Eicheln, Kastanien usw, er freut sich sehr über jedes gesammelte Stück .

Die Gruppe hat im Wald verschiedene Plätze, die sie ansteuern können. Wo es hingeht, entscheidet die Gruppe morgens am Treffpunktplatz gemeinsam. Der Tagesabschluss ist immer an der Waldhütte. So haben die Kinder Rituale und auch Sicherheit im doch großen Wald. Die Plätze, an denen sich die Kinder aufhalten, werden regelmäßig auf Sicherheit kontrolliert und sind natürlich vom Förster genehmigt. 

Gibt es Spielzeug? Lernen die Kinder dort überhaupt was? Es gibt ja keine Turnhalle, können die Waldkinder eine normale Grundschule besuchen? Essen die alle auf dem Boden? Wie ist das mit dem Klo?

Viele Fragen, die uns immer wieder erreichen. 

Der Wald lädt zum spielen ein. Es gibt so viel zu entdecken, Stöcke, Steine, Erde, mehr brauchen die Kinder nicht. Emil hat beim Spielen so eine große Phantasie, ich staune immer wieder darüber. Z.B. wie wandlungsfähig doch ein einfacher Stock ist und was man alles aus den Naturschätzen basteln kann. Langeweile kommt nicht auf. NIE. Die Kinder machen Prüfungen für verschiedene Werkzeuge, Raspel, Hammer, Säge und Schnitzmesser. Damit wird dann gewerkelt. Da müssen dann einige Regeln eingehalten werden, damit es nicht gefährlich wird. Der Wald ist eine große Turnhalle – klettern, balancieren, der Wald ist perfekt dafür. Die Kinder können eine Regelgrundschule besuchen, sie werden ganz normal vorbereitet, es gibt in meinen Augen keine Nachteile, was die Zukunft in einer normalen Grundschule angeht. Da gibt es auch spannende Forschungen zu. 

Das Frühstück wird gemeinsam im Wald eingenommen. Auf dem Boden. Für meinen Sohn jeden Tag aufs neue ein großes Abenteuer. Wenn es regnet schützt eine Plane die zwischen den Bäumen gespannt werden kann. Das Mittagessen gibt es in der Waldhütte an Tischen. 

Emil geht jeden Tag so gerne in den Waldkindergarten, er kann sich auspowern, spielen und ist wirklich ein ausgeglichenes Kind. Er ist sehr selten krank, Da haben wir Glück. Aufpassen muss man nur wegen Zecken. Jeden Tag absuchen und auf die richtige Kleidung achten. Das ist sowieso sehr wichtig im Wald. Aber wenn man da einige Dinge beachtet, ist es perfekt für die Kinder. 

Am Schluss kläre ich die wohl wichtigste Frage die aufkommt, wo gehen die Kinder auf die Toilette? Auch im Wald. Es gibt einen Pipibaum an jedem Platz und wenn man ein großes Geschäft verrichten muss, wird ein Loch gebuddelt. Für die Kinder Alltag und selbstverständlich. In der Hütte gibt es auch ein Klo und auch fliessend Wasser. 

Oft haben wir den Satz gehört: „Ach für mein Kind wäre ein Waldkindergarten nichts. Das spielt nicht so gerne draussen.“ 

Puh, ja. Ich glaube generell spielt jedes Kind gerne draußen, kommt ja auch drauf an wie man es den Kindern vorlebt. Das Konzept eines Waldkindergarten wäre für jedes Kind toll, da bin ich mir sicher. 

Ich könnte so viel schreiben, über den wundervollen Wald aber am besten ist es, man erlebt diesen Zauber selber. 

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Maike von „Heldin im Chaos“
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1 Comment
  • Melli
    Mai 8, 2019

    Ein sehr schöner Artikel, der mir noch mehr Vorfreude auf unseren Wald-Kita-Start macht. 🙂

    LG Melli

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